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Mitgliederumfrage 2026 – oder warum «42+4» jetzt erst recht zählt

Die Zahlen liegen auf dem Tisch: Zum fünften Mal hat das Institut DemoSCOPE im Auftrag des vsao die Mitglieder zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Über 2400 Assistenz- und Oberärzt:innen haben 2025 mitgemacht – und das Ergebnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Es bewegt sich endlich etwas, aber wir sind noch lange nicht am Ziel.
09.06.2026

Zum ersten Mal ein klarer Lichtblick bei den Arbeitszeiten

Über Jahre blieben die Werte hartnäckig stabil. Jetzt zeigt sich erstmals eine spürbare Entwicklung in die richtige Richtung. Bei 58 % der Befragten kam es zu Abweichungen vom Arbeitsgesetz – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 68 % von 2022. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit, hochgerechnet auf ein Vollzeitpensum, sank von 56.3 auf 54.6 Stunden. Und die Vorschrift, nicht mehr als sieben Tage am Stück zu arbeiten, wird seltener missachtet: 70 % konnten sie im vergangenen Jahr durchgehend einhalten.

Dass sich etwas bewegt, ist kein Zufall. Der Trend hängt eng mit dem Einsatz für die «42+4-Stunden-Woche» zusammen – und mit den Bemühungen von immer mehr Spitälern, von der 50-Stunden-Woche wegzukommen.

Die Belastung bleibt auf hohem Niveau

So ermutigend das ist – die Kehrseite bleibt ernüchternd. Die Erschöpfungssymptome haben sich auf sehr hohem Niveau stabilisiert: Jede zweite befragte Person (52 %) dachte 2025 mindestens ab und zu «Ich kann nicht mehr». Vor drei Jahren waren es genau gleich viele – seit 2013 (33 %) war der Wert zuvor stetig gestiegen.

Das geht nicht nur auf die Gesundheit der Ärzt:innen, sondern auch auf die Patientensicherheit: Rund 60 % berichten, in den letzten zwei Jahren mindestens einmal erlebt zu haben, dass Patient:innen wegen beruflich bedingter Übermüdung gefährdet waren. Die Zahlen legen einen klaren Zusammenhang nahe – wer unter 50 Stunden pro Woche arbeitet, ist deutlich seltener erschöpft und berichtet seltener von gefährlichen Situationen.

«Die jungen Ärzt:innen stehen unter hohem Druck. Die leicht verbesserten Arbeitszeiten haben daran nichts geändert. Es braucht nun unbedingt weitere Anstrengungen zur Senkung der Arbeitszeiten, um die Gesundheit von Ärzt:innen wie Patient:innen zu schützen», sagt Severin Baerlocher, Präsident des vsao.

Trotz allem: die Freude am Beruf bleibt

Eine Frage wurde 2025 erstmals gestellt – jene nach der Berufszufriedenheit. Und hier überrascht das Bild positiv: Rund drei Viertel der Befragten sind trotz der hohen Belastung zufrieden mit ihrer Berufswahl. Am zufriedensten sind sie mit der Beschäftigungssicherheit, dem Arbeitsklima und dem Inhalt ihrer Aufgaben – am wenigsten mit Arbeitsbelastung, Arbeitszeiten und Vereinbarkeit. Ein starkes Zeichen für die intrinsische Motivation – und ein klarer Auftrag an uns alle, genau dort anzusetzen.

Was das für Bern bedeutet

Für den VSAO Bern bestätigen diese Resultate den eingeschlagenen Weg. Die positive Resonanz auf das Modell «42+4» – auch unter Chefärzt:innen – motiviert uns, Gespräche über mögliche Pilotprojekte im Kanton Bern weiter voranzutreiben. Denn einige Spitäler haben bereits gezeigt: Allein mit Prozessoptimierungen und weniger administrativem Aufwand lassen sich die Sollarbeitszeiten senken. Wir bleiben dran.

Hier geht es zu den Resultaten der Umfrage

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Mitglieder-Umfrage 2026

  • Über 2400 Assistenz- und Oberärzt:innen haben mitgemacht – und zum ersten Mal zeigt sich ein spürbar positiver Trend
  • Die Arbeitszeiten sinken, Gesetzesverletzungen gingen von 68 % auf 58 % zurück, die Sieben-Tage-Regel wird besser eingehalten.
  • Jede zweite befragte Person dachte mindestens ab und zu «Ich kann nicht mehr».
  •  Rund 60 % erlebten in zwei Jahren mindestens einmal, dass Patient:innen wegen Übermüdung gefährdet waren.
    Wer unter 50 Stunden arbeitet, ist seltener erschöpft. Genau deshalb bleiben wir bei «42+4» dran.